Über mich

persönlich


tilman-jensLassen Sie es mich stichwortartig machen: Tilman Jens, geboren am 5. September 1954 in Tübingen, als erster Sohn von Inge und Walter Jens. Wechselhafte Schulkarriere: Waldorfschule (wenig erfreulich – wer Näheres wissen möchte, sei auf das 5. Kapitel meines Buches „Demenz“ verwiesen), dann: Dorfacker-Schule Lustnau (dort habe ich gelernt, wie schön die schwäbische Sprache klingen kann), danach acht eher triste Jahre am humanistischen Uhland-Gymnasium, damals eine Hochburg wenig freundlicher Strafpädagogik. Von 1972-74 dann Schüler der Odenwaldschule. Für mich war’s, alles in allem, eine himmlische Zeit. Für andere war das Internat, wie wir heute wissen, die Hölle. Ein Ort, an dem der sexuelle Missbrauch gang und gäbe war. Von dieser Ambivalenz erzählt auch mein Buch: „Freiwild“. Nach meinem Abitur habe ich, weil ich mich nicht trennen mochte, an der Odenwaldschule 15 Monate Zivildienst absolviert.

Studium der Germanistik und Geschichte in Konstanz, bald aber schon der Wechsel zum Fernsehen. Ausbildung beim NDR-Bücherjournal, später bei der Frankfurter Redaktion von „Titel, Thesen, Temperamente“. Dieter Zilligen in Hamburg und – vor allem – Kurt Zimmermann in Frankfurt waren die Lehrer, die mich journalistisch geprägt haben. Neben dem mich – bis heute – faszinierenden „Magazin-Stückli-Geschäft“ (den kurzen Beiträgen, gedreht rund um den Globus, etwa für aspekte und Kulturzeit, ttt, X:enius oder artour) interessieren mich heute vor allem dokumentarische Langformate. In den letzten dreißig Jahren habe ich über hundert sogenannter Features realisiert: von Portraits über Kurt Masur, Justus Frantz oder Oswalt Kolle über eine Reflektion zum Thema Sterbehilfe bis zur Doku über Scientology oder die Bespitzelung des Springerkonzerns. 15 Lokaltermine für die leider nicht mehr existente ARD-Serie „Bilderbuch Deutschland“ von den Halligen bis zum Schumiland Kerpen. Mein Beruf hat mir unendlich viel ermöglicht. Ein anderes Leben als das des Journalisten, wäre undenkbar für mich: ich habe die Hinrichtung des US-Kinderbuch-Autors Tookie Williams verfolgt, mich unter Pilger in Lourdes gemischt – und – zuletzt für die ARD-Doku „Töten für den Frieden?“ (die für mich eine der wichtigsten Arbeiten ist)  deutsche Soldaten in Afghanistan beim Training für den finalen Schuss beobachtet.

Meine Tätigkeit als Journalist und Reporter war gelegentlich von Kontroversen begleitet. Eine davon zumindest, die Debatte um meinen Einstieg ins Totenhaus des Schriftstellers Uwe Johnson, 1984, habe ich mir durch einen nicht zu beschönigenden Fehler selber eingebrockt. In meinem Buch „Vatermord“ habe ich darüber Auskunft gegeben.

Neben meiner Fernsehtätigkeit (und gelegentlichen Print-Reportagen) sind bislang neun Bücher entstanden: „Unterwegs an den Ort wo die Toten sind – auf der Suche nach Uwe Johnson in Sheerness“ (1984), „Mark Twain“ (1985), „Goethe und seine Opfer“ (1999). Dann „Demenz – Abschied von meinem Vater“ (2009). Das Buch wurde begleitet von einer, wie ich denke, recht verlogenen-moralinsauren Debatte im deutschen Feuilleton. Die traurige Krankheit meines Vaters ist nicht ehrenrührig, ihr Öffentlichmachen kein „Vatermord“. Da man mir aber eben dieses vorwarf, habe ich meinen Kritikern 2010 mit einem Buch geantwort, mit „Vatermord“. 2011 dann meine Streitschrift für eine schonungslos-genaue, aber eben doch besonnene Aufklärung des Missbrauch-Skandals an der Odenwaldschule: „Freiwild“. “ 2012 mein Lehrstück zum Feindbild „Axel Cäsar Springer“. 2013 meine Streitschrift zum neuen Religionskampf mit „Der Sündenfall des Rechtsstaats“. 2014 „Das Vermächtnis. Die Kohlprotokolle“. Derzeit sitze ich an einem neuen Buch. Im September 2015 erscheint „Du sollst sterben dürfen“.