09.06.2010

Vatermord

Wohl selten ist ein Autor nach der Veröffentlichung eines Buches von der Kritik derart verprügelt worden wie ich, als im Februar 2009 „Demenz – Abschied von meinem Vater“ erschien. Insbesondere der Vorwurf des „Vatermords“ hat mich tief getroffen. Vergeht, versündigt sich einer an seinem Nächsten, wer dessen bis heute so oft tabuisierte Krankheit (unter der allein in Deutschland weit über eine Million Menschen leiden) auch in ihren konkreten Begleitumständen öffentlich macht? Woher rührt die so vehemente Abwehr gegen den Verfasser und seinen Text? Das unterstellte Delikt des Vatermords jedenfalls hat lange Tradition – eben ihr bin ich in meinem neuen Buch nachgegangen. In diesem Blog sind Kritik und Zustimmung, aber natürlich auch eigene Erfahrungsberichte herzlich willkommen.

Tilman Jens, 10. Juni 2010

Kommentare

  • Imke Roebken 6. September 2013

    Für mich war „Demenz“ dieses Sommer das Buch, dass mir am meisten Denkstoff geliefert hat, genau zu Themen, die mich interessieren.
    Die Geschichte über den Nachbarn Albert Schaich gehört für mich zum besten was ich zu dieser Problematik gelesen habe!
    Da ich schon lange nicht mehr in Deutschland lebe habe ich dien ganze Kontroverse nicht mitbekommen und lese nun entgeistert zB die absolut unangemessene Kritik in der Welt online, da hat jemand für mich die Fragen, Zweifel und Nachdenken in „Demenz“ nicht verstanden.
    Danke für das Buch!

  • ella teimbeck 21. Juli 2010

    ich bin froh darüber, dass es beide Bücher „Demenz“ und „vatermord“ gibt.
    „Demenz“ ein Buch, das Geistraum und Kunstwerk ist, ein Kunstwerk der Art, das auch tröstend daher kommt und mit bestimmtheit keiner rechtfertigung bedarf.
    „Vatermord“ unterwegs -eine Baustelle- auf dem Weg der Fragen nach dem Woher und der eigenen Verwicklung
    als Angehörige-r in dieses „System“ Demenz, der Erkenntnisse über die Verletzbarkeit des Gehirns als menschliches Körperorgan, der Verletzbarkeit menschlicher Identität und für mich der Neubestimmung der eigenen Identität.
    Allen einen schönen Sommer…

  • Anne_Garten 18. Juli 2010

    Habe heute Nacht den „Vatermord“ zuende gelesen und kam wie schon bei Tilman Jens‘ Buch „Demenz“ zu dem Schluss, dass beides ausgezeichnete und lesbare Bücher sind. Den Vatermord-Hipe in so achtbaren Blättern wie in „Die Zeit“ oder in der Halleluja-FAZ schon habe ich nicht begriffen. Hier „rechnet ein Sohn nicht mit dem Vater ab“ sondern schildert den Verlauf der Erkrankung seines – auch fehlbaren – Vaters. Dass auch Tilman Jens Fehler gemacht hat, gibt und gab er ja selbst zu (Uwe Johnson z.B.).
    „Wer da ohne Fehler sei, der werfe den ersten Stein…“ (hoffentlich richtig zitiert).
    PS: Ich bin nur Leserin und nicht Journalistin…

  • Margarete Noack 5. Juli 2010

    Wo sind die aufgeregten Gemüter von „Demenz“
    Die Wogen haben sich geglättet, so scheint es, wenn man die Leere hier betrachtet?
    Auch die wenigen Rezensionen zum neuen Buch halten sich flach – waren die Berufskritiker erschrocken über das was sie angerichtet haben?
    „Vatermord“ beginnt mit den Folgen einer intellektuellen Hatz auf ein ausgezeichnetes Buch, das die bisher erschienenen Bücher zum Thema Demenz übertrifft.
    Ich war erschrocken als ich erfuhr wie tief es Tilman Jens getroffen hat, so tief, dass er wieder laufen lernen mußte.
    Ein mutiges Buch, dass ich nach meiner Betroffenheitspause nicht mehr aus der Hand legte.
    Wer sich ehrliche Herzens mit dem Thema „Demenz“ auseinandersetzen will sollte es lesen. Denn wenn auch eine vorübergehende Lähmung Tilman Jens bremste, sein Geist blieb beweglich, recherchierte, fand Literaturklassiker zum Thema Vatermord, aber auch Antworten aus der Wissenschaft möglichen Ursachen von Demenz , nennt Bücher, die von betroffenen Angehörigen geschrieben wurden, wie der Bericht über den berühmten Geiger Helmut Zacharias, aufgezeichnet von seiner Tochter. Für den unvoreingenommenen und fragenden Leser wird Tilman Jens neues Buch so zu einer Schatzgrube und Wissensbereicherung, besonders durch die am Ende stehenden Literaturquellen.
    Dass es der allwissende Kritiker nicht so sehen kann, sondern lediglich auf den Ödipuskomplex verweist „und der wäre wohl bekannt“, macht das Buch nicht unwichtiger, sondern beweist eine eingeschränkte Sichtweise festgelegter Berufsschreiber.
    Einige werden namentlich von Tilman Jens im „Vatermord“ genannt. Namen, die es eigentlich besser wissen müßten.
    „Demenz“ und „Vatermord“ sind zwei Bücher, die gelesen werden wollen, nicht nur um Tilman Jens zu verstehen, sondern weil sie die Realität des Lebens widerspiegeln.
    Manchmal muß man am Boden liegen, um sich neu aufrichten zu können.
    Timan Jens sein Buch „Vatermord“ ist so ein Aufrichten und wer es liest wird es erkennen, weil es weiterführt.

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