Was ist von den USA noch zu erwarten?

01.09.2017

Stephen Bannons Kampf geht weiter

Buch »Stephen Bannon. Trumps dunkler Einflüsterer« von Tilman Jens, erschienen im Heyne VerlagAm Abend des 18. August 2017, zehn Tage vor Erscheinen des Buches »Stephen Bannon. Trumps dunkler Einflüsterer«, ging eine Eilmeldung über die Agenturen: Stephen Bannon verlässt das Weiße Haus, der rechtspopulistische Propagandist ist nicht mehr oberster Stratege des US-Präsidenten, der sich in den Wochen zuvor auf einen harakiriverdächtigen Schlingerkurs begeben hatte. Die Russland-Affäre, die Hartnäckigkeit des Sonderermittlers Robert Mueller nehmen ihm den Atem, die blamabel geplatzten Wahlversprechen nicht minder. Was wollte er in den ersten hundert Tagen im Amt nicht alles vollbringen: Die Grenze nach Mexiko mit einer Mauer verbarrikadieren, das Gesundheitssystem Obamacare zum Teufel jagen!

Jetzt haut Donald Trump um sich wie ein angeschlagener Boxer: Stabschef Reince Priebus gefeuert. Pressesprecher Sean Spicer an die Luft gesetzt. Der Kurzzeit-Kommunikationsdirektor Anthony Scaramucci hielt sich gerade einmal zehn Tage und trat sein Amt gar nicht erst an. Die Köpfe rollen schneller und schneller. Warum es zuletzt auch Trumps Chefberater, Freund Steve Bannon, traf, ist fürs Erste ungeklärt. War er nicht mehr haltbar wegen seiner oft demonstrativ gezeigten Nähe zur Alt-Right-Bewegung, zur Riege der Rassisten, die in Charlottesville am 12. August ein Blutbad angerichtet hatte? Oder lag es an Darstellungen wie jener des Bestsellerautors Joshua Greene, der Trump – vor allem zu Zeiten des Wahlkampfs – als bloßes Werkzeug seines Strategen porträtierte? Der Präsident, heißt es, war nicht amüsiert über Greenes Buch »Devil‘s Bargain«, – frei übersetzt: die leichte Beute des Teufels.

Und dennoch: Bannons Abschied vom Weißen Haus geschah in auffälligem Einvernehmen. Stunden nach der Trennung verkündete der Mann, der sieben Monate lang ganz offiziell Trumps Einflüsterer war, er werde umgehend an seinen alten Chefposten zu »Breitbart News«, dem einflussreichen Internetportal der äußersten Rechten, zurückkehren. Auch an dieser Stelle könne er seinem Präsidenten sekundieren. Die Worte, die der bekennende Kriegstreiber wählte, waren martialisch: »Ich habe meine Hände wieder an den Waffen und werde die Opposition zerstören.« Damit waren weniger die parteipolitischen Gegner, sondern vielmehr die Widersacher in den eigenen Reihen gemeint, die vergleichsweise moderaten Kräfte in der republikanischen Partei und im West Wing des White House. Die Attacke galt all jenen, die sich in den vergangenen Monaten seiner Strategie der totalen Konfrontation widersetzt hatten.

Der dauertwitternde Präsident zeigte sich geradezu entzückt. Auch bei »Breitbart News« – im Juli 2017, nach kurzzeitiger Flaute, wieder rund 80 Millionen Mal angeklickt – werde Bannon seine »kluge und starke Stimme« erheben. Von dort aus könne er »möglicherweise besser als jemals zuvor« wirken.

Anders gesagt: Der einstige Berater hat letztlich nur die Schreibtische gewechselt. Er zieht die Strippen weiter. Der irrlichternde Milliardär wird sich davor hüten, nicht auf ihn zu hören. Bannon war der Vater von Trumps Wahlsieg, später dann der einflussreichste Mann in seinem Gefolge. Als Insider verfügt er über brisantes Wissen. Wenn der umfassend vernetzte Einbläser auspacken sollte, etwa über die Russland-Connections, könnte es um Trump bald geschehen sein. Donald Trump ist und bleibt in der Hand seines einstigen Mitstreiters.

Reinhard C. Heinisch, der Amerika-Spezialist und Populismusforscher, schrieb im österreichischen »Standard»« am 23. August 2017: »Die Ära Bannon ist mitnichten beendet.« Vom Weißen Haus bis zum Hauptstadtbüro von »Breitbart News« sind es nur wenige Kilometer. Der Stellungskrieg um die Macht im Oval Office hat sich nur ein wenig verlagert und geht an anderer Front weiter. Und das vermutlich härter, brutaler denn je. Eben darum ist die Geschichte, die dieses Buch erzählt, so bedrückend aktuell.

 

 

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